Sonntag, 11. April 2010
Acht Jahre
ist das Liedchen mittlerweile alt, und jetzt endlich hat sich mit Walter Mixa ein würdiger Zubewidmender gefunden. Daß ich das noch erleben darf!

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren

 


Donnerstag, 4. März 2010
Auf Eltern einwirken


Der Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, Einwag, hat heute verschiedenen Bonner Ministerien eine Reihe von Verstößen gegen den Datenschutz vorgehalten. Bei der Vorstellung seines Tätigkeitsberichts 1989 beklagte Einwag außerdem, daß es für die DDR noch kein Datenschutzmodell gebe.

Die moderne Computertechnik ist nicht nur Segen, sie ist auch Risiko – eine Aussage des obersten Datenschützers der Republik von heute. Wer ahnt schon, daß die persönlichen Daten jugendlicher Schwarzfahrer bei der Bundesbahn gespeichert bleiben, auch wenn das erhöhte Beförderungsgeld längst bezahlt wurde. Die jungen Leute werden in den Augen von Alfred Einwag, dem Bundesdatenschutzbeauftragten, unnötig diskriminiert: „Das ist ja genau der Punkt, daß ein wahrer Sinn nicht zu erkennen ist. Die Bundesbahn meint, sie könne dann vielleicht intensiver auf die Eltern der Kinder einwirken, wenn sie einen zum zweiten Mal erwischen.“

Ein weiteres Beispiel: Schwarz-Schillings neue digitale Telefontechnik ist sicherlich bahnbrechend, speichert aber sämtliche Telefonverbindungen und löscht sie erst nach 80 Tagen. Nicht einmal die Rufnummern sind im Speicher zum Schutz der Teilnehmer verkürzt, Die Beanstandung des Datenschützers wurde von Schwarz-Schilling zurückgewiesen.



[Einwag:] „Während dieser Zeit – drei bis vier Monate – kann nun festgestellt werden bei der Post, wer wann mit wem wie lange telefoniert hat. Ich halte das für einen Eingriff in die Rechte unserer Bürger, der durch überwiegende Interessen der Allgemeinheit nicht gefordert wird.“

Mit diesem heiklen Punkt muß sich jetzt das Parlament befassen. Der Datenschützer wünscht sich überhaupt mehr Unterstützung durch das Parlament, ein neues Datenschutzgesetz ist längst überfällig und außerdem kommen ganz aktuelle Fragen des Datenaustausches und -schutzes mit der DDR immer drängender auch auf diese Behörde zu.

(28.02.1990)

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren

 


Dienstag, 5. Januar 2010
2009
Nur für den Fall, daß in 10.000 Jahren oder so jemand hier auf der Suche nach früheren Lebensformen rumgräbt und das Internet ausbuddelt: Es war nicht alles Enke und Jackson.

Danke, Frank McCourt, für Angela’s Ashes. Danke, Merce Cunningham, für diesen seltsamen Ballettabend in Brüssel mit einem Gastprofessor aus Albuquerque zu Musik von John Cage. Ein Dank an Ernst Benda für manches Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das mich am Wunsch auszuwandern hinderte. Und an Hans Brox für ein lesbares Lehrbuch zum BGB, den Segen meines ersten Semesters. Danke, Jörg Hube, für den „Otto“ in Edgar Reitz’ „Heimat“, dem langsamsten und schönsten Fernsehfilm der Achtziger. Danke an Robert Stromberger für diese Drombuschs, die die deutsche Befindlichkeit auf den Punkt brachten. Danke, Ruth Drexel, für nicht besonders nachhaltige, aber wundervoll heimelige Abende am Fernseh. Gleichsam an Karl Malden und seine erstaunlich monströse Nase. Danke, Les Paul, für dieses großartige Instrument. Ein Dank an Dave Dee für den schönsten Bandnamen der Welt, an Hans Hee für „Ich bau dir ein Schloß“ und „Oma so lieb“, fürchterliche Lieder, bei denen die Eltern aber immer so schön entspannt waren, an Aaron Schroeder für „It’s now or never“, an Rowland Stuart Howard für die Inspiration durch The Birthday Party und These Immortal Souls, an John Martyn für die großen Alben „Bless the Weather“ und „Solid Air“, an Vic Chesnutt für die Emotionalität jedes einzelnen Akkords und vor allem an Willy DeVille für die Entdeckung der Südwestpassage zwischen Kitsch und Blues.
Ein herzliches Vergelt’s Gott auch an Friedrich Berentzen, der den Weg aufgezeigt hat, wie man Karneval im Rheinland aushalten kann, an Johannes Mario Simmel, dessen „Es muß nicht immer Kaviar sein“ mein erstes wirklich stolz gelesenes Erwachsenenbuch war. Danke an Jeanne-Claude für einen ein paar Wochen lang märchenhaft schönen Reichstag. Ohne sie kann Christo jetzt wohl einpacken. Danke an Günter Kießling, dessen berufliches Schicksal mir klarmachte, daß Homosexualität ein wehrtechnisches Sicherheitsrisiko ist. Dank an Rolf H. Dittmeyer für eines der liebsten T-Shirts meines Lebens. Danke auch an Eduard Zimmermann für Konrad Tönz und Peter Nidetzky. Und für 089/950195, eine Telefonnummer, die ich mein Lebtag nicht vergessen werde.
Danke an Mehmet Fistik für das Atelier-Theater, an Alex Parche für versoffene Zeltinger-Konzerte und an Paula Kleinmann für Schnitzel, auf denen man Fußball spielen konnte.
Danke, Oskar Wark, für die Randsportarten in der Randsportreportage. Und Dank an Thomas von Randow für viele, viele rätselhafte Donnerstage. An Mal Sondock und Konrad Heidkamp für musikalische Sozialisation, jeder auf seine Weise, in seinem Metier und seinem Jahrzehnt.
Dank an Günter Nehm für unglaubliche Gedichte, an Johanna König für das Beenden der Klementine-Werbespots und an Hans Müllejans für sein Eintreten für den Aachener Dom.

Und schließlich ein Dankeschön an Christoph Budde für Hackentricks und all sowas in der Schule. Leider hast du bei Borussia nicht so getroffen. Und an den treuen Genossen Gunnar W. für viele vertändelte Nachmittage im Seniorat Germanistik. Machs gut, Gunnar.

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren

 


Freitag, 4. September 2009
Der Vatikan hat heute der sogenannten Theologie der Befreiung vorgeworfen, sie sei von den Gedanken des Marxismus und des Klassenkampfes beeinflußt. Die Anhänger dieser Theologie der Befreiung vertreten vor allem in Lateinamerika die Auffassung, die Kirche solle sich den Armen widmen und für die Befreiung unterdrückter Völker eintreten. Die vatikanische Kongregation sieht darin eine Abweichung von der kirchlichen Glaubenslehre und vom priesterlichen Gehorsam.

(Kardinal Ratzinger erklärt dem ARD-Reporter Eberhard Piltz die Sichtweise der Glaubenskongregation:)

„Es ist in keiner Weise eine Blockade gegen die Option der Kirche für die Armen, sondern im Gegenteil eine ganz nachdrückliche Ermutigung und Verurteilung aller Oppression. Zugleich aber stellen wir eben fest, daß ein theologischer Totalitarismus sich in gewissen Strömungen ausbreitet, indem die politische Option, die weitgehend aus marxistischer Philosophie entlehnt ist, so mit dem Glauben identifiziert wird, daß Politik und Glaube ein Amalgam bilden, in dem schließlich die Freiheit erstickt und der Ernst der Suche nach den realistischen und fruchtbaren Lösungen nicht mehr genügend wahrgenommen werden kann.“

(1984)

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren

 


Sonntag, 28. Juni 2009
Pretoria. – Südafrikas Staatspräsident Botha hat heute Bundesarbeitsminister Blüm empfangen. Teilnehmer bezeichneten die Atmosphäre als frostig. Blüm habe vergeblich das Gespräch auf Menschenrechte bringen wollen und sei auch mit zwei Bitten auf taube Ohren gestoßen.

„Ich habe ihn gebeten, mir ein Gespräch mit Nelson Mandela zu gestatten, und ihn darauf hingewiesen, daß Nelson Mandela dazu bereit ist. Er hat mich an den Justizminister verwiesen. Ich wollte eine Liste von dem Todesurteil untwerworfenenen Südafrikanern übergeben; der Präsident hat sich geweigert, sie anzunehmen.“

(27.6.1989)

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren

 


Sonntag, 7. Juni 2009
In Teheran ist heute der am Samstag gestorbene Ayatollah Chomeini beigesetzt worden. Vorausgegangen waren chaotische Szenen, als Millionen Trauernde zum Sarg Chomeinis drängten.

Begonnen hatte die heutige Trauerfeier mt einem gemeinsamen Gebet vor dem einbalsamierten Leichnam Chomeinis. Aus allen Teilen des Landes waren mehrehre Millionen Iraner zur großen Gebetsstätte geströmt. Anschließend sollte Chomeini zu seinem Grab auf dem Märtyererfriedhof Behesht-e Zahra im Süden Teherans übergeführt werden. Als der Leichnam für den Transport aus dem Glassarg genommen wurde, mußten Revolutionsgardisten die anstürmende Menge zurückhalten. [...]

Dann wurde der Leichnam in einem offenen Holzsarg zum Leichenwagen getragen, über die Köpfe der Trauernden hinweg. Der Wagen konnte sich jedoch keinen Weg durch den Trauerzug bahnen; er war hoffnungslos eingekeilt. Der Sarg wurde nun von einem Militärhubschrauber zum Friedhof gebracht. Kurz zuvor war der Leichnam aus dem Sarg gefallen, als verzweifelte Trauernde am Grabtuch Chomeinis rissen.

(1989)

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren

 


Dienstag, 21. April 2009
Die Demonstrationen, mit denen Pekinger Studenten und Professoren nun seit fast einer Woche ihre Trauer um den Tod des früheren KP-Generalsekretärs Hu Yaobang bekunden, werden für die chinesische Regierung immer problematischer.

Erstens mischt sich in die Anteilnahme immer stärker politischer Protest gegen gesellschaftliche Mißstände in China, und zweitens wird das Spektrum der Demonstanten immer größer.

Heute nachmitag zogen sogar die sonst eher unpolitischen Studenten der Hochschule für Raumfahrt- und Flugtechnik zum Platz des himmlischen Friedens.

Über das chinesische Fernsehen, das wegen seiner enormen Zuschauerzahlen eine bedeutende Rolle spielt in diesem Konflikt, forderte der Staat die Bürger heute auf, Trauer innerhalb der Universitäten oder Betriebe zu bekunden und nicht auf der Straße.

In einem Land, in dem man sich indirekt auszudrücken pflegt, kann man dies durchaus auch als Warnung interpretieren.

Was die Regierung am meisten irritiert, ist die Tatsache, daß Studenten bereits mehrfach vor das wie ein Heiligtum bewachte Hauptquartier der Kommunistischen Partei zogen. Hier gab es auch die ersten gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Trotz aller Appelle des Staates, der immer wieder auf die Ungesetzlichkeit nicht angemeldeter Demonstrationen hinweist, waren heute abend noch tausende von Menschen auf dem Platz des himmlischen Friedens versammelt.

Wieder wurden Rufe nach mehr Demokratie und einer besseren Behandlung der in China unterprivilegierten Intellektuellen laut. Doch artikulierte man sich mit jener Friedfertigkeit, die für die Gesamtsituation noch immer charakteristisch ist.

(1989)

Permalink (1 Kommentar)   Kommentieren

 


Dienstag, 10. Februar 2009
Für eine Verkürzung der Schulzeit von Abiturienten hat sich der Präsident der westdeutschen Rektorenkonferenz, Seidel, ausgesprochen. Der neuen Presse in Hannover sagte Seidel, zwölf Jahre Unterricht könnten ausreichen. In vielen europäischen Staaten gingen die Abiturienten früher an die Hochschulen, ohne schlechter zu sein als die deutschen. Der deutsche Lehrerverband und auch der Philologenverband lehnten den Vorschlag als untauglich ab. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erklärte, wer die deutsche Schulzeit verkürzen wolle, müsse sagen, was wegfallen solle.

(1989)

Permalink (1 Kommentar)   Kommentieren

 


Dienstag, 13. Januar 2009
"Kießling beteuerte nochmals, niemals homosexuelle Beziehungen gehabt sowie nicht in derartigen Lokalen in Köln oder anderen Städten verkehrt zu haben."

(13. Januar 1984)

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren

 


Donnerstag, 1. Januar 2009
In Ludwigshafen fällt der Startschuß für das Kabelpilotprojekt. Die Teilnehmer können nun acht neue Fernsehprogramme empfangen, darunter auch erstmals private. Das Projekt soll aber nicht zu mehr Fernsehkonsum führen, sondern eine größere Wahlfreiheit, Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt gewährleisten.

(1984)

Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren